Telefonieren mit Jajah

Als jemand, der zeitweise im Ausland lebt und täglich telefonischen Kontakt mit seiner Familie in Deutschland hat, bin ich mit dem Problem der hohen Telefonkosten konfrontiert. Natürlich gibt es schon lange kostenlose Angebote wie Skype, doch die funktionieren nur, wenn eine ausreichend breitbandige Internetverbindung zur Verfügung steht und wenn die Gesprächsteilnehmer bereit sind, sich mit einem Headset vor den PC zu hocken. Letzteres wollten wir nicht, ersteres war dort, wo ich in Irland lebe, bis vor wenigen Jahren nicht möglich. Ich hatte lediglich einen normalen Festnetzanschluss und ein 56k-Modem (!) für den Internetzugang.

2006 entdeckte ich mit Jajah die vorläufige Lösung für mein Problem. Jajah ist ein webaktivierter VoIP-Dienst. Man registriert sich bei Jajah mit seinen Telefonnummern (in meinem Fall die Festnetznummern in Deutschland und Irland sowie eine Handy-Nummer) und kann dann den Dienst nutzen, in meinem Fall Jajah.Web.

Wenn ich mit Jajah telefonieren will, melde ich ich auf der Jajah-Website an, wähle im Browser die Nummer aus, die ich anrufen will, und klicke auf „call“. Kurz darauf klingelt mein Festnetztelefon und eine Frauenstimme teilt mir mit, dass meine Verbindung hergestellt wird (woraus ersichtlich wird, dass Jajah eigentlich ein Callback-Service ist). Ab jetzt brauche ich den PC und die Internetverbindung nicht mehr, alles läuft über den Festnetzanschluss. (Zu den Zeiten, wo ich die Verbindung noch mit dem Modem herstellte, musste ich das Modem blitzschnell auflegen lassen, damit die Leitung fürs Telefonieren frei war).

Die Verbindung kommt meist problemlos zustande, gelegentlich sind die Jajah-Server jedoch überlastet und es braucht zwei oder drei Anläufe, bevor die Verbindung steht. Die Gesprächsqualität ist meist gut und die typischen VoIP-Echos der ersten Jahre sind weitgehend verschwunden. Es kann aber auch vorkommen, dass die Verbindung sehr schlecht ist; meist hilft dann ein erneuter Anruf.

Die Tarife sind recht moderat, gelegentlich kostet das Telefonieren zwischen bei Jajah registrierten Telefonnummern auch gar nichts. Jajah sagt mir, ich hätte seit 2006 über € 1500 gespart. Whatever …

Inzwischen sind Breitbandanschlüsse auch ins ländliche Irland vorgedrungen und bezahlbar geworden. Seit wenigen Jahren nutze ich für den Internetzugang eine mobile Breitbandverbindung, für die ich nur dann zahle, wenn ich sie brauche. Eigentlich ist der Festnetzanschluss, den ich im Schnitt nur 4-5 Monate im Jahr nutze, für den ich aber 12 Monate Grundgebühr zahle, überflüssig und könnte gekündigt werden.

Allerdings muss ich vorher eine preiswerte Lösung für das „Problem“ der täglichen Telefongespräche mit meiner Familie finden. Zwar vermittelt Jajah auch Gespräche zwischen Festnetz- und Handy-Anschlüssen, doch kostet dies deutlich mehr und würde insgesamt nicht zu einer Einsparung führen.

Folgende Möglichkeiten ziehe ich in Betracht:

  1. Skype (auf dem Smartphone)
    Da sowohl daheim als auch in Irland WLAN zur Verfügung steht, wäre dies eine gute und kostenlose Möglichkeit. Allerdings haben meine wichtigsten Gesprächspartner Blackberry Smartphones, für die es keinen Skype-Client gibt. Mögliche Lösung: Ein preiswertes Android-Smartphone nur für diesen Zweck.
  2. Sipgate (als VoIP-Anbieter)
    Sipgate stellt im Rahmen seines kostenlosen Basic-Angebots jedem Teilnehmer eine kostenlose Ortsrufnummer zur Verfügung. Ich habe mich angemeldet und eine Stuttgarter Nummer ausgewählt. Unter dieser Nummer bin ich – so lange ich mich im Bereich eines WLAN aufhalte – überall zum Ortstarif auf dem Handy erreichbar, auch in Irland. So soll es ablaufen: Meine Frau ruft in Stuttgart aus dem Festnetz (kostenlos) die Stuttgarter Ortsrufnummer von Sipgate an und ich nehme den Anruf auf meinen Android-Smartphone entgegen. Eine Lösung also, die nur in eine Richtung kostenlos funktioniert.
    Für Android und iOS gibt es eine ganze Reihe von VoIP-Clients, von Sipgate selbst und anderen Anbietern. Sipgates Client funktioniert im Prinzp, ist aber trotzdem nutzlos, da er bei gesperrtem Bildschirm keine eingehenden Anrufe signalisiert.
    Ich habe mich für die SipDroid App entschieden, die dieses Problem nicht hat.

Ein Test im heimischen WLAN war erfolgreich. Ob das Ganze auch in Irland mit der deutlich langsameren Internetverbindung über Mobilfunk funktioniert, werde ich bald herausfinden. Falls ja sind die Tage meiner irischen „landline“ gezählt. Eine richtige landline war es übrigens nie; im ländlichen Irland werden viele Festnetzanschlüsse schon lange mit Hilfe von Funkverbindungen realisiert.

Update Februar 2014

Anfang 2014 hat Jajah seinen Dienst eingestellt.

Der Test mit Sipgate lief anfangs nicht besonders zufriedenstellend, insgesamt war das zu unzuverlässig. Inzwischen nutze ich Skype auf dem Smartphone für die täglichen Gespräche zwischen Irland und Deutschland. Da meine Gesprächspartner inzwischen Android- statt Blackberry Smartphones benutzen, gibt es keine technischen Hindernisse mehr. Der Dienst ist zuverlässig und die Sprachqualität ist gut.

Nachtrag April 2014: Die Sipgate-App gibt es inzwischen nicht mehr. Dafür funktioniert momentan die Sipdroid-App ganz zuverlässig. Die landline habe ich gekündigt.

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Eine Antwort auf Telefonieren mit Jajah

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